2020

Die CITOYENNE, der Preis für Bürgersinn der Stiftung CITOYEN, steht 2020 unter dem Motto „Fragen wagen – Preis für Forschergeist“. Die Stiftung zeichnet bürgerschaftliche Forschungsprojekte aus, die Fragen stellen, nach Antworten suchen und neue Erkenntnisse und Lösungen finden.

Jede Forschung beginnt mit genauem Hinsehen und Hinhören“, betont die Biologin Christine von Weizsäcker in ihrer Laudatio,
Das genaue Hinsehen und Hinhören öffnet die Tore zu bisher Unbekanntem. Wenn man genau hinhört und hinsieht, kann man die nötigen Heilungsprozesse für unser aller Zusammenleben ersehen. Aber dazu braucht es Mut. Forschung braucht forschen Mut. Forschergeist entsteht aus intrinsischer Motivation, also aus Eigenantrieb (…).
Fragestellungen und Forschergeist von Bürgerinnen und Bürgern wirken oft in kleinen Initiativen. Doch dieses Klein ist ganz groß. Mit weltweit vielen erfreulichen Mitwirkenden.“

Mit dem 1. Preis (dotiert mit 5.000 Euro) wurde das interaktive Gemeinschaftsprojekt „Kubus der Solidarität“ ausgezeichnet, das von Schüler*innen der Paul Hindemith-Schule in Kooperation mit dem Gallus Zentrum und dem Jugendmigrationsdienst im Quartier des IB (Internationaler Bund Frankfurt) realisiert wurde.
Zur Fragestellung „Was ist Solidarität und wie wollen wir leben?“ gingen Schüler*innen der 9. Klasse der integrierten Gesamtschule im Rahmen einer Projektwoche auf Spurensuche. Ausgehend von ihren eigenen Lebenswelten stellten sie Fragen und fanden heraus, wie es Obdachlosen ergeht, wie Solidarität mit der Natur aussehen könnte und wie solidarisches Zusammenleben gelingen kann. Die Ergebnisse ihrer Forschungen und praktischen Erkundungen präsentierten sie auf drei Wänden eines großen hölzernen Kubus, den sie im Sommer 2019 auf dem Liebfrauenberg in Frankfurt ausstellten. Im Gespräch mit Passant*innen zur Frage, was „Solidarität“ für sie bedeutet, wurde die freie vierte Wand gestaltet und der Themenkreis erweitert. Auf diese Weise kam ein anregender generationenübergreifender Austausch über den gesellschaftlichen Wert von Solidarität zustande.
Der 2. Preis (dotiert mit 3.000 Euro) ging an die Initiative Stolpersteine Frankfurt, die es sich seit 2003 zur Aufgabe macht, das von Gunter Demnig begründeten Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ zu fördern und durchzuführen, um die Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung in Frankfurt wachzuhalten.
Für die rund 20 ehrenamtlich Aktiven steht die Recherche und Dokumentation der Biografien der Opfer sowie der Kontakt zu Angehörigen und Nachkommen der Opfer im Zentrum ihrer forschenden und aufklärenden Arbeit. Von der Initiative wurden in Frankfurt bisher 1.500 Stolpersteine verlegt, die über das Erinnern hinaus auch eine Botschaft an die Nachgeborenen sind, rechtzeitig gegen Unmenschlichkeit aufzustehen. Mit ihrer engagierten Forschungsarbeit zeigt die Initiative auch auf, wie wichtig es heutzutage ist, populistischen, antisemitischen und rassistischen Tendenzen entgegenzutreten.
Mit dem 3. Preis (dotiert mit 1.500 Euro) wurde „Die Kleine Bienenschule“ der Initiative Ecokids, Hofheim/Ts ausgezeichnet.
Seit dem UN-Weltbienentag, dem 20. Mai 2018, ist die Kleine Bienenschule in Hofheim am Taunus aktiv. Auf einem eigenen Projektgrundstück lernen Kinder das Leben der Bienen kennen und erforschen ihre Lebenswelt. Sie finden heraus, wie Bienen sich ernähren, welche Produkte sie herstellen, welchen Nutzen sie für den Menschen haben und warum sie heute vom Aussterben bedroht sind. Durch praktische Lernerfahrungen und speziell entwickelte Unterrichtsmaterialien lernen und forschen Schüler*innen in der Natur und werden durch praktische Arbeit für die Bienen- und Insektenwelt sensibilisiert. Die Kleine Bienenschule engagiert sich für nachhaltige Bildung und unterstützt Schulen im Rahmen von Projektwochen oder bei der Etablierung eigener Schulimkereien. Für alle, die an Bienenhaltung interessiert sind, werden zudem monatlich Workshops angeboten, die auf dem Gelände stattfinden.
Die Jury
Timo Becker, Theaterpädagoge und Kabarettist
Irene Bottek, Bethmann Bank
Beate Gottschall, Stiftung CITOYEN
Dr. Jutta Deffner, Institut für sozial-ökologische Forschung
Dr. Julia Krohmer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dr. Regina Oehler, Wissenschaftsjournalistin
Prof. Dr. Frank Oswald, Goethe-Universität, FB Erziehungswissenschaften
Partner und Förderer:
Bethmann Bank, Lions international, Frankfurter Neue Presse
Die weiteren sieben Finalisten wurden mit einer Anerkennungsurkunde sowie einer von den Künstlern Florian Haas und Andreas Wolf (gruppe finger) gestalteten Vase aus reinem Bienenwachs gewürdigt:
Botanische AG Taunus, Taunusstein
Buchprojekt „Flora des südlichen Taunus“
Bürgerverein Heddernheim e.V., Frankfurt
„Ein Schloss für Heddernheim“
GEDOK FrankfurtRheinMain e.V., Frankfurt
Kinderanimationsfilm „Fräulein Elise – aus dem Leben eines Dienstmädchens“
Hartel, Markus und Thomas, Dreieich
„Der Kampf mutiger Frauen in Hessen für Gleichberechtigung und Demokratie“
Langer, Ines und Brabänder, Saskia, Offenbach
„Ebbeltex“, studentisches Forschungsprojekt
Oehler, Dr. Peter, Frankfurt
„Die Geschichte der Griechen in Frankfurt“
Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Frankfurt
„Stadtteil-Historiker – Bürger, die Geschichte schreiben“