2024

Die CITOYENNE, der Preis für Bürgersinn der Stiftung CITOYEN, wird am 10. Juni 2024 zum siebten Mal verliehen. Unter dem Motto: „automatisch demokratisch? schön wär’s…“ würdigte die Stiftung CITOYEN mit der CITOYENNE 2024 Ideen, Projekte und den Einsatz für ein demokratisches Miteinander.

In ihrer Laudatio würdigte die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, diesjährige Patin der CITOYENNE 2024, die Preisträger*innen und betonte:
Demokratien sind keine Institutionenbaukästen, die wir geschickt zusammensetzen müssen und fertig ist das gute Ende. Sie sind auf Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die sich für sie einsetzen, die ihre Institutionen mit Leben füllen, indem sie ihre Freiheiten nutzen und die Freiheit aller verteidigen, wo es denn nötig ist. Es sind Bürgerinnen und Bürger, die mit Hilfe von Institutionen eine Demokratie zur Demokratie machen.

Mit dem 1. Preis (dotiert mit 5.000 Euro) wurde der Verein Rumi im Puls e.V. für die erfolgreiche Umsetzung des Präventionsprogramms „MotherSchools: Parenting for Peace“ ausgezeichnet.
Das von „Women without Borders“ entwickelte Kursprogramm wurde von Rumi im Puls bereits an verschiedenen Orten in Hessen durchgeführt und hat inzwischen mehr als hundert Mütter erreicht. In zehn Sitzungen werden Mütter in ihrem Selbstvertrauen und ihren Erziehungskompetenzen gestärkt, um ihre Rechte wahrnehmen und einer Radikalisierung ihrer Kinder rechtzeitig vorbeugen zu können. Sie werden zudem motiviert, Netzwerke zu bilden, in denen sich Frauen gegenseitig unterstützen können.
Der 2. Preis (dotiert mit 3.000 Euro) ging an Safe im Recht, die kostenlose und vertrauliche Online-Chatberatungsstelle, die Jugendlichen bis 21 Jahre Rechtsberatung mit dem Schwerpunkt „Rechtsfragen bei digitaler Gewalt“ anbietet.
Ziel der beim Kinderschutzbund Frankfurt angesiedelten Initiative ist es, die digitale Souveränität junger Menschen zu stärken und sie bei Gewalterfahrung im Internet sowie bei allen anderen rechtlichen Fragestellungen bestmöglich zu beraten. Das Beratungsteam besteht aus 25 Ehrenamtlichen, die als u.a. Jurist:innen, Jurastudent:innen und Psycholog:innen hohe juristische und pädagogische Expertise besitzen. Neben der individuellen Chatberatung entwickelt die Initiative Aufklärungsformate und präsentiert diese u.a. an Schulen und in Jugendeinrichtungen. Zudem werden Weiterbildungen von pädagogischen Fachkräften zum Thema „Rechtsverletzungen im Internet“ angeboten.
Mit dem 3. Preis (dotiert mit 1.500 Euro) wurde die Initiative OMAS GEGEN RECHTS Frankfurt ausgezeichnet. Die Initiative hat sich in Frankfurt 2018 mit dem Ziel gegründet, ein Zeichen gegen Hass in jeder Form zu setzen.
Insbesondere wendet sie sich gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen, gegen Rassismus, Juden-, Fremden- und Frauenfeindlichkeit. Sie demonstrieren „überall wo Rechte auftauchen“ und setzten sich mit vielfältigen öffentlichen Aktionen und Interventionen für eine gelebte Demokratie, für die Vielfalt der Kulturen und Solidarität mit Minderheiten und Verfolgten ein. Sie leisten Aufklärungsarbeit an Grundschulen und in Kitas, haben u.a. einen Chor und eine Vorlesegruppe gegründet. Inzwischen gibt es deutschlandweit mindestens 60 Ortsgruppen und 30.000 Frauen, die sich ihnen über Social-Media-Kanäle angeschlossen haben.
Die Jury
Barbara Busch Schulleiterin Albert-Schweitzer-Schule Langen
Clara Evans Lehramtsstudentin Politik / Englisch
Beate Gottschall Vorsitzende Stiftung CITOYEN
Mahmoud Haji Vorsitzender „WISA – wir sind angekommen e.V.“
Nikolas Hamm Theater- & Sozialpädagoge
Anja Heßeler Leiterin Vermögensverwaltung Bethmann Bank
Dr. Max Rempel Geschäftsführer Mediengruppe Frankfurt
Timo Schweitzer Theaterpädagoge & Kabarettist
Zümrüt Turan-Schnieders Rechtsanwältin & Redakteurin
Partner und Förderer:
Bethmann Bank, Lions Club Frankfurt Römer, Frankfurter Neue Presse
Die weiteren sieben Finalist*innen wurden von Moderator Timo Schweitzer in alphabethischer Reihenfolge vorgestellt und mit einer Anerkennungsurkunde gewürdigt. Außerdem wurde ihnen ein von einem Stiftungsprojekt hergestelltes „Demokratiepuzzle“ sowie die brandneue CD des Bridges-Kammerorchesters überreicht:
Alice Blum, Marktplatzdialoge, Neu-Isenburg
Eine hasserfüllte Debatte in einer lokalen Facebookgruppe brachte Alice Blum auf die Idee, die Beteiligten zu einem analogen Gespräch auf dem Isenburger Marktplatz einzuladen. Der Zuspruch war groß und die Gespräche verliefen respektvoll. So hat sie ein nachahmenswertes Zeichen für eine konstruktive Gesprächskultur gesetzt.
Der Demokratiedeckel e.V., Frankfurt
In Bars, Kneipen, Restaurants ausgelegte bunte „Demokratiedeckel“ mit Fragen wie z.B. „Setzt du dich für die Rechte anderer ein…?“ sollen auf niedrigschwellige Weise zu Austausch und Dialog einladen. 2023 haben junge Menschen diese Idee realisiert und setzen sich mit ihrem Verein für eine nachhaltige Stärkung der Demokratie und die Förderung eines offenen politischen Diskurses ein.
Gegen Vergessen – für Demokratie e.V., Frankfurt
Mit dem Projekt „Debattierkünstler*innen“ bietet der Verein an Frankfurter Schulen Workshops an, um junge Leute zu befähigen, ihren Standpunkt faktenbasiert, effektiv und konstruktiv darzulegen. Ziel ist es, die Debattier- und Demokratiefähigkeit Jugendlicher zu fördern, damit sie aktiv unsere Demokratie weiterentwickeln und gestalten können.
Line 3
Jobs4refugees – TIFA-Projekt, Frankfurt
Durch das Projekt „Teilhabe und Integration durch freiwillige Arbeit“ werden geflüchtete und zugewanderte Menschen in ein ehrenamtliches Engagement vermittelt. Dadurch wird die soziale und berufliche Integration der Teilnehmenden gefördert und gleichzeitig wird durch den Abbau von Vorurteilen und die Stärkung des sozialen Miteinanders das demokratische Zusammenleben gestärkt.
Jugendbeirat Dietzenbach
Um Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen wurde 2021 der Jugendbeirat gegründet. Seither setzen die Jugendlichen eigenverantwortlich und ehrenamtlich zahlreiche Projekte um, veranstalten u.a. Workshops zum Thema Hatespeech im Internet, Anti-Mobbing-anti-Rassismus-Tage, Müllsammel- und Baumpflanzaktionen und setzten sich in der Stadt für die Belange von Jugendlichen ein.
Migrant Support Network e.V., Frankfurt
Als unabhängige Selbstorganisation von Migrant*innen für Migrant*innen setzt der Verein sich für eine solidarische und demokratische Gesellschaft ein und möchte mit seiner Arbeit dazu beitragen, die strukturelle und institutionelle Benachteiligung von Migrant*innen abzubauen.
„Ungehörte Stimmen“ – Das Leben migrantischer Frauen in Frankfurt
Als von Rassismus und Sexismus Betroffene, hat sich die Gruppe von vier Schwarzen Frauen und Frauen of Color mit gesellschaftlichen Macht- und Ungleichverhältnissen auseinandersetzt. In ihrem aktuellen Ausstellungsprojekt im Historischen Museum haben sie die Vielfalt weiblicher Stimmen zum migrantischen Leben in Frankfurt hörbar gemacht und planen einen Podcast.